Leinsamengel – ein Allroundtalent für deine Locken (inkl. Rezept)

Hallo, Lockenkopf!
Hast du schon mal von Leinsamengel gehört? Wenn ja – super! Wenn nein – es wird höchste Zeit!
Denn Leinsamengel ist ein tolles, natürliches Pflegeprodukt für deine Haare, welches du noch dazu schnell und günstig selbst herstellen kannst. Es spendet sehr viel Feuchtigkeit und ist für viele Lockenköpfe ein absolutes Highlight.

Lass dich aber von dem Wörtchen „Gel“ nicht verwirren, denn das Leinsamengel – abgekürzt LSG genannt – gibt nicht sehr viel Halt und ist deswegen genau genommen eher als Leave-In zu verstehen.

In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, welche positiven Eigenschaften das Leinsamengel so besonders machen. Außerdem stelle ich dir Rezepte zur Verfügung, die du nach Belieben ausprobieren und variieren kannst. Auch die Anwendungsmöglichkeiten zeige ich dir auf, sodass du schon ganz bald ausprobieren kannst, ob das Leinsamengel für deine Locken ebenfalls ein Must-Have ist. Und selbst wenn nicht, kannst du es beispielsweise noch super für die Gesichtspflege nutzen 🙂

Warum Leinsamengel so besonders ist

Wie eingangs schon erwähnt, ist das Leinsamengel ein natürliches Produkt, welches du schnell und einfach selber herstellen kannst. Einige der Vorteile liegen auf der Hand, andere möchte ich dir gerne etwas erläutern. Hier aber erst mal eine kleine Übersicht der wichtigsten Vorteile gegenüber anderen Haarpflegeprodukten:

  • Leinsamengel ist vollständig biologisch abbaubar
  • es ist frei von bedenklichen Inhaltsstoffen
  • dafür aber reich an Nährstoffen
  • es lässt sich schnell und sehr günstig herstellen
  • LSG kann deine Locken definieren und Frizz minimieren
  • es ist sehr feuchtigkeitsspendend
  • auch für feines oder geschädigtes Haar geeignet

Leinsamen sind die Samen des Flachses, welchen du auf dem Beitragsbild sehen kannst. Die Samen sind reich an Schleimstoffen, welche im Wasser zügig aufquellen. Dadurch entsteht ein zähes Gel, welches du statt oder ergänzend zu gekauften Haarprodukten nutzen kannst. Das durch die Schleimstoffe entstandene Leave-In ist ein sogenannter Befeuchter (engl. Humectant) für deine Haare. Dies bedeutet, dass Feuchtigkeit in deine Haare eingezogen wird, wenn die Luftfeuchtigkeit höher ist als die in deinen Haaren.

Da LSG beinahe nur aus Wasser besteht, kann man kaum ein Build Up provozieren und recht viel davon auftragen. Außerdem erhalten deine Locken durch die Feuchtigkeitszufuhr oft eine Menge Fülle und Glanz, was wiederum die Sprungkraft erhöht. Durch die leicht filmbindende Eigenschaft wird außerdem Frizz minimiert. Vor allem bei feinem, geschädigtem oder gering porösem Haar ist dies von Vorteil. Natürlich kannst du es aber auch bei dickeren Haaren nutzen.

Rezeptideen für dein ideales Leinsamengel

Für die Herstellung von Leinsamengel für deine Locken brauchst du nur sehr wenige Zutaten bzw. Küchengegenstände. Folgendes reicht für das Rezept schon aus:

  • Ein kleiner Topf
  • ein feines Küchensieb
  • ein Löffel zum umrühren
  • eine Küchenwaage + eine kleine Schüssel
  • ein Gefäß zum aufbewahren (z. B. ein ausgespültes Marmeladenglas mit Deckel)
  • 250ml Wasser
  • 30g Leinsamen (am Besten ganze, in Bio-Qualität)
  • ggf. pH-Teststreifen (nicht auf dem Foto drauf) und Zitronensaft oder Apfelessig

Zwei kleine Anmerkungen habe ich aber noch: Geschrotete Leinsamen sind für das Rezept nicht so sehr geeignet, da du die Krümel später sehr schwer vom Gel trennen kannst und man diese somit in deinem Haar sehen könnte. Außerdem solltest du ein bisschen auf deine Wasserqualität achten. Wenn es bei dir sehr kalkhaltig ist, kannst du auf mineralarmes, stilles Wasser aus der Flasche oder destilliertes Wasser aus der Drogerie zurückgreifen.

Nun lass uns aber loslegen!

  • wiege die 30g Leinsamen ab und gib sie zusammen mir dem Wasser in den Topf
  • koche das Ganze auf und stelle die Temperatur herunter, sobald das Gemisch kocht
  • rühre zwischendurch um und prüfe die Konsistenz des Gels: Wenn du mit einen Löffel eintauchst, dann anhebst und das Wasser dabei Fäden zieht, ist es fertig. Dies dauert meistens nur 3 – 5 Minuten. Lässt du das LSG zu lange kochen, wird das Gel sehr fest und ist schwer von den Leinsamen zu trennen
  • Schütte das Gel durch das Küchensieb in dein Aufbewahrungsgefäß und nimm zum nachdrücken oder abtrennen unten am Sieb den Löffel zur Hilfe. Das LSG sollte ca. die Konsistenz von Eiweiß haben
  • Nun muss es nur noch etwas abkühlen und ist dann einsatzbereit! Spüle in dieser Zeit am besten direkt den Topf, das Sieb und den Löffel ab, da die Leinsamen und das Gel sonst gerne ankleben

Das LSG kannst du mit den pH-Streifen testen. Im Idealfall sollte es einen Wert von 4,5 – 5,5 aufweisen; da dieser Wert deinen Haaren ähnelt. Ist der Wert zu basisch (6,0 – 7,0), kannst du ein paar Tropfen Apfelessig oder Zitronensaft hinzufügen und noch mal rühren. Im Kühlschrank hält sich das Gel 1 – 2 Wochen. Ungekühlt solltest du es nicht lange nutzen, da es dann säuerlich riecht, milchig wird und somit nicht mehr „gut“ ist.

Du kannst das Gel und auch die übrig gebliebenen Leinsamen im Sieb aber auf jeden Fall auch einfrieren. Die Leinsamen kannst du nämlich noch zwei weitere Male aufkochen, um LSG herzustellen. Und das fertig eingefrorene Leave-In kannst du ebenfalls nach und nach auftauen, wenn du es beispielsweise in Eiswürfelförmchen füllst. So kannst du immer nur die Menge entnehmen, die du benötigst.

Mögliche Zusätze

Ich bin kein Fan davon, wild Zusatzstoffe zu mischen. Denn so kann man schlecht beurteilen, welcher der beigefügten Stoffe nun gut funktioniert hat und welcher nicht. Teste dich daher lieber nach und nach durch und beobachte, was bei dir gut wirkt. Als Leitfaden habe ich dir bereits ein paar Inhaltsstoffe und ihre Wirkweisen zusammengefasst, die ich kenne:

Für noch mehr Feuchtigkeit und Pflege:

  • Glycerin *
  • Panthenol *
  • Aloe Vera Gel
  • Shea Butter

Zum versiegeln:

  • Öle (z.B. Jojobaöl, Avocadoöl,.. )
  • bei feinen/proteinliebenden Haaren hydrolisierte Proteine wie z.B. Seidenprotein

Für einen besseren Geruch:

  • Ätherische Öle, z. B. Rosenöl, Lavendelöl, Zitrone,..

Für besseren Halt:

  • Gummi Arabicum
  • Honig*
  • Agavennektar*

Für eine bessere Haltbarkeit und Nährwerte:

  • Vitamin E-Öl
  • Teebaumöl

Für eine angenehmere Konsistenz:

  • Xanthan
  • ein Mal alles durchpürieren kann auch helfen, es weniger flutschig zu machen 🙂

Die mit Sternchen markierten Ergänzungsstoffe solltest du nicht nutzen, wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist (z. B. im Winter). Denn diese nehmen die Feuchtigkeit dann gerne in dein Haar auf und können so Frizz verursachen. Somit wäre der Pflege- bzw. haltgebende Effekt nur halb so gut wirksam.

Wie wende ich das Leinsamengel nun an?

Da das Leinsamengel für Locken wie bereits gesagt eher als Leave-In denn als Gel zu verstehen ist, nutzt du es auch genau so. Koche das Leinsamengel nach Rezept und wasche dann deine Haare wie gewohnt; mit Kur, Conditioner oder was du sonst so benutzt. Entwirre bzw. kämme sie dann auch und spüle den Conditioner aus. Wie genau du deine Locken am schonendsten bürsten kannst, habe ich dir übrigens hier zusammengefasst.

Nimm dann ein bisschen von dem LSG in deine Hände und verreibe es dort. Aber Achtung, durch die eiweißähnliche Konsistenz ist es ziemlich rutschig! Da es aber so günstig und natürlich ist, macht es auch nichts, wenn etwas im Abfluss landet. Verteile das Leinsamengel auf deinen nassen Haaren, bis alles gut benetzt ist und die Haare sich glitschig anfühlen – es kann also ruhig viel sein. Wenn du magst, kannst du zusätzlich ein haltgebendes Gel benutzen.

Knete deine Haare nun gut von unten nach oben, damit sich alles noch mal richtig schön verteilt. Jetzt kannst du deine Haare wie gewohnt stylen und bei Bedarf eine Stylingtechnik wie z. B. Fingercoiling oder eine Denman Brush verwenden. Nun kannst du deine Haare an der Luft trocknen lassen oder sie sanft mit einem Diffusor föhnen. Fass aber möglichst nicht in deine Locken, bis sie vollständig trocken sind und sich ein Gelcast gebildet hat. Dies kann durch die hohe Feuchtigkeitszufuhr durchaus etwas länger dauern.

Ist Leinsamengel übrig geblieben, kannst du dieses natürlich wieder in den Kühlschrank stellen und zum Beispiel für einen Refresh nutzen. Dazu kannst du deine Haare anfeuchten oder das LSG direkt auf die trockenen Haare auftragen. Verteile und scrunche es erneut ein, lass die Haare trocknen und danach knete danach den Cast aus bzw. fluffe deine Haare auf.

Das kannst du machen, wenn deine Haare LSG nicht so gerne mögen

Natürlich ist das LSG – wie alle Produkte – aber nicht der Heilige Gral für alle Menschen bzw. Locken. Außerdem hat es durch die kurze Haltbarkeit und die wenig haltgebenden Eigenschaften also nicht nur Vorteile. Wenn dir das Leinsamengel nicht ganz zusagt, gibt es aber zum Glück genügend andere Möglichkeiten, es zu verwenden!

  • als Gesichtsmaske: Nicht nur deine Haare wollen Feuchtigkeit und Pflege, sondern auch deine Haut – vor allem dein Gesicht. Trage das kühle Gel auf dein gereinigtes Gesicht auf, lass es 10 – 20 Minuten einwirken und spüle die Reste mit warmem Wasser ab. Aber auch bei trockener Haut oder einem Sonnenbrand kann das Gel lindernd wirken.
Leinsamengel

  • zum Backen: Als Ersatz für Eier in veganen Rezepten eignet sich Leinsamengel hervorragend, beispielsweise für Kuchen oder Nudelteig. Wenn du das Gel vorher kurz in die Gefriertruhe stellst und es dann auf hoher Stufe aufschlägst, entsteht sogar eine Art „Eischnee“. Die übrig gebliebenen Leinsamen im Sieb kannst du ebenfalls für Brot oder Cracker verwenden.
  • bei Magen-Darm-Beschwerden: Die Schleimstoffe in den Leinsamen helfen auch dabei, Probleme wie Durchfall oder Verstopfung zu regulieren. Dafür kannst du dein LSG noch etwas mehr mit Wasser verdünnen, noch mal durchpürieren und über den Tag verteilt trinken.

Wie man so schön sagt – probieren geht über studieren! Du solltest dir auf jeden Fall ein paar Minuten Zeit nehmen, das LSG mal zuzubereiten und einige Tage lang für dich zu testen. Und notfalls gibt es ja auch allerlei andere Verwendungsmöglichkeiten. Wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit LSG? Hinterlasse mir doch gerne hier oder auf meinem Instagram-Kanal einen Kommentar dazu 🙂

Bis ganz bald,
deine Melle

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